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Der RSI - Traden mit Divergenzen

Aktualisiert: 13. Feb. 2023



Inhalt



Definition

Der Relative Strength Index (RSI) ist zweifellos einer der bekanntesten und weitverbreiteten Oszillatoren. Er wurde von J. Wallace Wilder entwickelt und 1978 in seinem Buch „New Concept in Technical Trading Systems“ veröffentlicht. Der Sinn dieses Oszillators ist es, die Geschwindigkeit von Marktbewegungen und Trendumkehren zu messen. Dabei kann er vor einer Überhitzung des Marktes warnen und somit vor einem potenziellen Trendwechsel warnen.


Nicht zu verwechseln ist der Oszillator mit der allgemein gebräuchlichen relativen Stärke im Aktienmarkt, wo Aktien, Indizes, Sektoren etc. miteinander verglichen und in Relation gesetzt werden, um beispielsweise starke Aktien in schwachen Marktphasen zu finden.


Beim RSI handelt es sich um einen Momentumsoszillator, welcher zwischen den Werten 0 und 100 schwankt. Anders als zum Beispiel der gleitende Durchschnitt wird der RSI in der Regel in einem eigenen Bereich angezeigt und wird nicht in den Chart integriert.


(Quelle: Tradingview)



Berechnung

Der RSI wird berechnet, in dem die Aufwärts- und Abwärtsbewegungen miteinander verglichen werden. Dabei gilt folgende Formel zur Berechnung des Oszillators:


RSI = 100 – [100 / ( 1 + (Durchschnittliche Änderung der Aufwärtsbewegung / Durchschnittliche Änderung der Abwärtsbewegung ) ) ]


Für den weiteren Verlauf ist die Berechnung von keiner Relevanz. Tradingview, sowie andere Chartsoftwares berechnen den RSI automatisch. Du solltest nur ein Verständnis dafür haben, welche Parameter für den RSI relevant sind.





Signalgebung

Besondere Bedeutung haben die Werte 30 und 70. So werden Werte unter 30 als überverkauft angesehen und Werte über 70 als überkauft. Notiert der RSI unter 30, geht man davon aus, dass die Verkäufer den Markt dominieren, aber eine baldige Erholung zu erwarten ist. Analog dazu erwartet man Kurskorrekturen nach unten, wenn der RSI über 70 notiert.

In Tradingview sind Werte, die außerhalb des Bereiches von 30-70 notieren damit gekennzeichnet, dass diese außerhalb der Box (hier lila) erscheinen.



Quelle: Tradingview




Wie man in dem Chart erkennen kann, bringt nicht jede überkaufte oder überverkaufte Situation im Chart auch wirklich eine Reaktion im Chart hervor. Generell gilt für Oszillatoren, wie dem RSI (gleiches gilt auch für Indikatoren): Gehe nie nur wegen eines Signales eine Position ein. Der RSI nutzt sich dagegen gut für eine finale Bestätigung, bevor man einen bereits geplanten Trade eingeht.




Divergenzen

Eine weit verbreitete Nutzung des Oszillators liegt jedoch in der Erkennung von Divergenzen. Vermutlich ist dies die größte Stärke des RSI. Unter einer Divergenz versteht man ein „Auseinandergehen“. In diesem Fall ein „Auseinandergehen“ von Kurs und RSI. Sprich, der Oszillator folgt nicht mehr den Bewegungen des Kurses.


Macht der Kurs ein neues Hoch, der RSI jedoch nicht, so spricht man von einer Divergenz. Dasselbe gilt umgekehrt, wenn der Kurs ein neues Tief macht, welches vom RSI jedoch nicht bestätigt. Diese sind sogenannte „einfache Divergenzen“. Tritt so eine Divergenz auf, kommt es oft zu einer baldigen und auch oft impulsiven Kursumkehr. Zumindest sollte man Vorsicht walten lassen, wenn man eine Position hält und eine Divergenz im Chart auftaucht



Im SP500 hat sich vor dem Corona Crash eine doppelte bärische Divergenz gebildet. Während der Index immer höhere Hochs gebildet hat, waren im RSI immer niedriger werdende Hochs zu erkennen. Darauf folgte ein massiver Abverkauf. (Quelle: Tradingview)




Während des oben angesprochenen Abverkaufs, welcher mit fallenden Kursen einherging, waren im RSI steigende Hochs zu erkennen. Auch hier haben wir es mit einer doppelten RSI Divergenz zu tun - diesmal eine Bullische. Es ist anzumerken, dass im Chart auch eine Divergenz vorliegt, wenn schon zwei Hochs beziehungsweise Tiefs nicht mit dem RSI übereinstimmen. (Quelle: Tradingview)



Versteckte Divergenzen

Neben den „einfachen“ Divergenzen gibt es auch sogenannte „versteckte“ Divergenzen. Divergenzen dieser Art signalisieren statt einer Umkehr eine Trendfortsetzung. Wenn in einem Aufwärtstrend der Kurs ein höheres Tief macht, der RSI dieses jedoch nicht bestätigt, liegt eine versteckte Divergenz vor und man kann davon ausgehen, dass der Trend fortgesetzt wird.

Im folgenden Bild siehst du versteckte bullische Divergenzen:



Im SP500 hat sich, in der Erholung vom Corona-Crash, direkt zweimal eine verstecke Divergenz gebildet. (Quelle: Tradingview)



Analog gilt dasselbe für versteckte bärische Divergenzen, wenn der Kurs ein tieferes Hoch ausbildet, der RSI jedoch ein höheres Hoch.




 

Learnings

  • Der RSI setzt Kursbewegungen in ein Verhältnis und kann dadurch vorzeitig vor einer Überhitzung beziehungsweise Unterkühlung warnen.

  • Werte unter 30 als überverkauft angesehen und Werte über 70 als überkauft.

  • Divergenzen im RSI treten auf, wenn Kurs und RSI auseinander laufen. So liegt zum Beispiel eine Divergenz vor, wenn der Kurs neue Hochs etablieren kann, wohingegen der RSI fallende Hochs ausbildet.

  • Verstecke Divergenzen liegen vor, wenn der Kurs höhere Tiefs ausbildet und gleichzeitig im RSI tiefere Tiefs vorliegen. Sie bestätigen den Trend.

  • Eine Divergenz kann als letzte Bestätigung, bevor ein Trade eingegangen wird, benutzt werden. Auf der anderen Seite können sie dazu benutzt werden, bereits laufende Trades abzusichern.


 

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